
Die Stadtbibliothek Syke hat fünf der sechs Bücher, die Kent Haruf geschrieben hat. Alle spielen in der fiktiven Kleinstadt „Holt“ in Colorado. Ich habe mir die Klappentexte der Bücher durchgelesen und mich für „Ein Sohn der Stadt“ aus dem Jahr 1990 entschieden, um den Autor und seine Kleinstadtwelt kennen zu lernen.
In diesem Buch geht es um Jack Burdette, der in Holt zeitgleich mit dem Ich-Erzähler Pat aufwächst und als Football-Star der Gemeinde bekannt und geschätzt wird. Einerseits charmant und kumpelhaft, andererseits rücksichts- und gewissenlos geht Jack seinen Weg. Dabei kreuzen sich die Lebenswege von Pat und Jack immer mal wieder. Und eines Tages ist Jack verschwunden. Einige Tage später findet die Gemeinde heraus, dass er nicht nur die Kasse der Landwirtschaftskooperative geplündert hat, sondern auch noch auf Kredit in den Läden in der Hauptstraße groß und teuer eingekauft hat. Die Polizei ermittelt, aber die Spur verliert sich in Kalifornien. Die Geschädigten bleiben auf ihren Verlusten sitzen, aber das Leben in der Gemeinde geht weiter. Dann, nach acht Jahren, kehrt Jack nach Holt zurück. Der Zorn über seine Taten ist in der Gemeinde noch sehr präsent und so kommt es, dass der Sheriff Jack verhaftet. Doch zum Erstaunen und Verbitterung aller wird klar, dass die Haft nicht rechtens war, denn die Taten sind mittlerweile verjährt.
Neben dem Kriminalfall wird natürlich noch mehr von Jack und seinem Verhältnis zu Frauen und Freunden erzählt. Es ist ein kurzes und lesenswertes Buch. Auf dem Klappentext steht „ein Roman über die Macht eines Einzelnen, der eine ganze Gemeinde zu erschüttern vermag“. Das ist nicht falsch, aber für mich liegt der Reiz eher darin zu lesen, wie einzelne Mitglieder der Gemeinde auf Jack reagieren. Und alles zusammengenommen macht die Welt von „Holt“ lebendig.
