
In ihrem autofiktionalen Debütroman erzählt die Autorin von Lale, die ihre Kindheit in den 80er Jahren in einer sogenannten „Kommune“, einer Wohngemeinschaft im linken Berlin-Kreuzberg zwischen Freiheit und völliger Verwahrlosung verbringt. Schon direkt nach der Geburt muss sie ihren ersten Entzug durchleben und wächst zunächst in einem Mutter-Kind-Heim auf. Da ihre Mutter aufgrund von Drogendelikten und Diebstahl inhaftiert wird, lässt sich das Jugendamt darauf ein, dass sie in einer Männer-WG, in der später auch ihr Vater wohnt, aufgenommen wird.
Hier leben RAF-Sympathisanten, Junkies und gescheiterte Existenzen. Der anti-autoritäre Alltag wird für das Kind zum Albtraum. Schon früh erlebt Lale sexuelle Gewalt und kommt mit Drogen, Alkohol und Kleinkriminalität in Kontakt, aber auch mit politischem Widerstand und der Musik dieser Zeit. Nachdem Lale in der Pubertät und auch schon davor „richtig abstürzt“, kann sie aufgrund ihrer starken Persönlichkeit und mit Hilfe von Therapie später eine eigene Familie gründen.
Das Lesen oder Hören dieses Romans ist zunächst schwer auszuhalten; er hat mich aber trotzdem vom ersten Moment an gefesselt. Die Autorin, die selbst Vergleichbares erlebt hat, verwendet trotz aller Dramatik eine fast poetische, sehr einfühlsame Sprache, nimmt unterschiedliche Perspektiven ein und verurteilt nicht. Ein sehr besonderes Buch!
Der Roman war für den Deutschen Buchpreis 2026 nominiert (Longlist). Er kann über die Onleihe bezogen werden, dort ist auch das Hörbuch, wunderbar gesprochen von Aileen Wrozyna, ausleihbar.
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In einem kurzen Video-Beitrag des rbb Kultur wird das Buch vorgestellt; auch die Autorin kommt zu Wort.
Norbert Kron rezensiert im rbb Kultur: “Das Buch ist eine rasante Reise in einen Abgrund, aus dem das Kind am Ende doch gerettet wird.”
