Valery Tscheplanowa – Ist es Liebe

Die wohlbehütet aufgewachsene Anne ist Schauspielerin, Ende zwanzig, und hat ihr erstes Engagement am Deutschen Theater in Berlin. In der U-Bahn begegnet sie Richard, der aus den Slums von Nairobi geflüchtet ist, einen vorläufigen Duldungsstatus besitzt und nachts in einer Bäckerei arbeitet. Anne verliebt sich auf der Stelle in diesen zunächst witzig wirkenden, unkonventionell scheinenden jungen Mann. Dann geht alles sehr schnell; sie beziehen gemeinsam eine Wohnung und Anne wird schwanger. Der Alltag ist nun nicht mehr von ‚Schmetterlingen im Bauch‘ geprägt.

Anne muss sich um Kind, Beruf und Haushalt kümmern, während Richard oft exzessiv feiern geht. Dabei konsumiert er Alkohol und Drogen, auch mit der Treue nimmt es Richard nicht genau. Anne hatte in der Vergangenheit Probleme mit einer Ess-Störung, wofür Richard gar kein Verständnis zeigt. Er musste schließlich immer nur für sein Überleben kämpfen. Der Überfluss in unserer westlichen Gesellschaft steht hier in krassem Gegensatz zur bitteren Armut in den Slums.

Die Autorin berichtet vom Alltag in dieser komplizierten Partnerschaft und stattet ihre Protagonistin mit viel Mut aus, um Vorurteile zu überwinden. So ist die Beziehung ein ständiges Auf und Ab, aber die Katastrophen und endgültigen Abschiede werden seltener, das gegenseitige Vertrauen wächst, wenn auch nur sehr langsam.   

Sehr gefallen hat mir an diesem Buch, dass die Autorin, die selbst auch eine bekannte Schauspielerin ist, immer wieder Denkanstöße gibt. Lassen sich herkunftsbedingte Gräben zwischen verschieden Kulturen und Sozialisationen überwinden? Ist es tatsächlich Liebe? Der Autorin gelingt es, die Schwierigkeiten solch einer Beziehung von vielen Seiten zu betrachten. Das Buch hallt noch lange nach.

Der Roman ist nicht im Bestand der Stadtbibliothek vorhanden, jedoch in der Onleihe ausleihbar.

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Nadine Kreuzahler rezensiert für Radio 3: “Ist es Liebe” handelt auch von Vorverurteilungen und rassistischen Stereotypen, die in allen irgendwo lauern. Man fühlt sich oft ertappt.

Katrin Krämer bemerkt im NDR Kultur: In diesem aufgeladenen Roman lässt Valery Tscheplanowa Welten aufeinanderprallen und verhandelt Fragen brennender Aktualität: Lässt sich das Fremde einfach wegretuschieren, nur weil man es nicht wahrnehmen will?