Von Sarah Essing, Weser-Kurier, Ausgabe Sonnabend/Sonntag 25./26. Juli 2026.
Förderverein der Stadtbibliothek Syke feiert 20. Geburtstag mit einer besonderen Aktion.
Syke. Der Förderverein der Stadtbibliothek Syke feiert Geburtstag! 20 Jahre wird er alt. Das erste Geschenk hat er schon bekommen. Die Syker Künstlerin Silvia Lauer-Schulz hat dem Verein 48 ihrer Bilder geschenkt. Aussuchen durften Mitglieder sie selbst. Was nun mit ihnen geschieht, wird Teil der Geburtstagsfeier am Freitag, 31. Juli, von 18.30 bis 21 Uhr in der Stadtbibliothek, Hinrich-Hanno-Platz 1, sein, denn das Geschenk wird versteigert. Zwecks Planung wird um eine Anmeldung in der Stadtbibliothek (Telefon 04242/164235) gebeten.

Acryl und Aquarell für die Bibliothek
„Ich bin in einem Alter, wo man anfängt, aufzuräumen“, sagt Silvia Lauer-Schulz mit einem Lachen zu ihrem Geschenk. Und sie habe so viel geschaffen in den letzten Jahrzehnten, „das kann man gar nicht alles ausstellen“. So hat sie damit begonnen, ihre Acryl- und Aquarellarbeiten aus den verschiedenen Schaffensperioden wegzugeben – für einen guten Zweck.
Und welcher Zweck könnte besser sein, als die Stadtbibliothek zu unterstützen, und die Menschen, die wiederum die Stadtbibliothek unterstützen, findet sie. „Gelesen wird immer.“
Sie selbst nutzt die Bibliothek auch gern, sagt sie, für sich selbst als Leserin, aber auch als Künstlerin. Ihre Bilder waren schon in der Bibliothek ausgestellt. Früher sei sie zudem viel mit ihren Kindern dort gewesen, heute gehe sie mit den Enkeln. Und ihre Bilder, „das ist das, was ich für den guten Zweck geben kann.“
15 Bilder werden versteigert
Beim Förderverein ist die Freude groß über dieses Geschenk. Vielleicht reiche der Erlös für eine „besonders tolle Lesung“. Eifrig wird besprochen und geplant, wie die Versteigerung vonstattengehen soll. Nur 15 der Bilder sollen versteigert werden. Das Mindestgebot wird vorgegeben, dann können die Besucherinnen und Besucher in Fünf-Euro-Schritten weitersteigern, bis niemand mehr mitbietet. Die übrigen Bilder werden mit Preisen ausgezeichnet und können an Ort und Stelle erworben werden. „Da müssen wir noch ein Verzeichnis anlegen“, sagt Ulrich Hoferichter und fügt diese Aufgabe gleich seiner To-do-Liste hinzu.
Die ist ohnehin schon recht lang. Für die Geburtstagsfeier gibt es noch viel zu erledigen, zu organisieren, zu besprechen. Staffeleien und Stelltafeln müssen organisiert, der Raum hergerichtet, Fingerfood und Getränke für die Geburtstagsgäste bereitgestellt werden. Im Zwiegespräch, quasi nebenbei, lösen Katharina Wittneben und Kerstin Nowak das drängendste Problem: Wer wird die Bilder versteigern? Katharina Wittneben will diese Aufgabe übernehmen. „Ich habe einen großen Gummihammer, den kann ich für den Zuschlag mitbringen“, fügt Christiane Decke mit einem Zwinkern hinzu. So läuft das beim Förderverein der Stadtbibliothek: Die Mitglieder packen gemeinschaftlich an – pragmatisch, engagiert und mit viel Sinn für Gastlichkeit.
Eine Gemeinschaft, die verbindet.
Es steckt eben mehr dahinter als bloße Organisation. Es ist die spürbare Freude daran, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Für die Bibliothek. Für die Kultur. Für einen Ort, der ihnen am Herzen liegt. Dabei lebt der Förderverein von Menschen, die mehr verbindet als ein gemeinsames Interesse am Lesen. „Aus Mitgliedern wurden Freunde“, bringt Bibliotheksleiterin Simone Stubbmann es auf den Punkt. In ihm steckt das, was den Verein seit nunmehr 20 Jahren ausmacht: Nähe, Verlässlichkeit und das gute Gefühl, gemeinsam etwas Sinnvolles zu tun.
„Die Idee für diesen Förderverein hatte die damalige Bibliotheksleiterin Jutta Behrens“, erinnert sich Martina Kahsnitz. Sinn und Zweck sei es gewesen, Unterstützung für die Arbeit der Bibliothek zu finden. Nicht im täglichen Ausleihverkehr, sondern für das „gewisse Extra“, Lesungen, Veranstaltungen
oder auch „die Ausbildung von Lesepaten, das war damals ein großes Thema“, so Martina Kahsnitz. Oder wie es in einer Ankündigung für das Gründungstreffen am 7. Juni 2006 im WESER-KURIER stand: Ziel des Vereins ist es, die Attraktivität des städtischen Medienzentrums im Rathaus zu steigern, vor allem für die Jugend. Dieses Ziel fand auch Eingang in die Vereinssatzung und gilt heute noch.
Jutta Behrens sprach dann Menschen an, von denen sie überzeugt war, das könnte sie interessieren. Und sie wurde fündig. Zehn Interessierte fanden sich zum ersten Treffen ein. Zum ersten Vorsitzenden wurde Jochen Heins gewählt; heute noch aktiv als Kassierer im Verein. Seine Frau Elke wurde Schriftführerin und Kassiererin in Personalunion; Rudolf Legenhausen aus Bruchhausen-Vilsen zweiter Vorsitzender sowie Beisitzer Harald Behrens, Eckehard Schörken und Martina Kahsnitz. Auch wenn vom aktuellen Vorstand nicht alle von Anfang an dabei waren, haben sich auch bei ihnen viele Erinnerungen über die Jahre angesammelt. Da sind bewegende Lesungen, der Poetry Slam, Krimidinner und Sommerwochen im Museum. Die Liste der Veranstaltungen, die der Förderverein getragen oder mitgetragen hat, ist noch länger als die To-do-Liste für die kommenden. Da sind Abende an ungewöhnlichen Orten, wie etwa in einem Möbelhaus oder einem Baumarkt, Fotoaktionen zu Lieblingsbüchern, die Lese-Bücherzelle – auch wenn sie ein unschönes Ende fand – oder auch der Live-Podcast. Formate, die überraschten, berührten oder zum Schmunzeln brachten – immer wieder aufs Neue.
Förderverein macht Kultur erlebbar
Auch die bevorstehende Geburtstagsfeier samt Bilderversteigerung ist mehr als nur ein Termin im Kalender. Sie ist ein weiterer Abend, an dem Menschen zusammenkommen, um etwas für die Bibliothek zu tun. Mit Kunst an den Wänden, Gesprächen im Raum und der stillen Gewissheit, dass gemeinsames Engagement am Ende immer mehr schafft als Geld allein.
Vielleicht ist es genau das, was den Förderverein so besonders macht: Er verwaltet Kultur nicht, sondern macht sie erlebbar. Literatur steht nicht nur in Regalen, sondern bringt Menschen zusammen. „Die vielen netten Leute!“, lautet folgerichtig auch Katharina Wittnebens Antwort auf die Frage, was für sie den Förderverein auszeichnet. Das gilt auch für die anderen Mitglieder. Hinzu kommen die kulturelle Vielfalt, der Austausch und immer wieder die Freude am Lesen. Für die Mitglieder des Fördervereins ist die Syker Bibliothek deshalb auch weit mehr als ein Gebäude mit Ausleihtheke. Sie ist ein Ort der Begegnung, der Bildung, der Inspiration. Und sie verdient Unterstützung. Davon sind alle Mitglieder überzeugt.
182 Mitglieder sind es mittlerweile. Neue sind immer willkommen. „Der Jahresbeitrag ist seit der Gründung des Vereins nicht erhöht worden“, betont Hoferichter. Zwölf Euro sind es pro Jahr. Wer mag, kann aber auch gern mehr geben. Zugutekommen die Beiträge und alles darüber hinaus ohnehin immer wieder der Bibliothek und damit letztendlich allen Sykerinnen und Sykern.
