
Fast jeder kennt den Begriff „Bourbon-Vanille“, aber kaum jemand weiß etwas über die Geschichte ihrer Verbreitung und die Rolle, die der zwölfjährige Edmond Albius dabei gespielt hat. Ursprünglich stammt die Orchideenpflanze aus den tropischen Wäldern Mexikos, wo sie von den Azteken kultiviert wurde. 1519 gelangte die Vanille nach Europa, wo sie zwar wuchs, aber keine Schoten ausbildete. Es fehlten die Kolibris und spezielle Bienenarten, die die Bestäubung in Mexiko erledigten.
Edmond, dessen Eltern mosambikanische Sklaven waren, lebt Anfang des 19. Jahrhunderts auf der Île de Bourbon, dem heutigen La Réunion, bei einem französischen Kolonialisten, der selbst Botaniker ist. Das wissbegierige Kind lernt von ihm alles, was man über die Orchideenzucht wissen muss. Edmond, der kaum lesen und schreiben kann, merkt sich alles, was er hört und lernt sogar die lateinischen Namen der Pflanzen auswendig. Er beginnt zu forschen und entwickelt eine Technik, um die Blüte mit dem Daumen und einem kleinen Holzspieß manuell zu bestäuben. Bald reist der Junge über die ganze Insel, um seine Entdeckung anderen Orchideenzüchtern zu zeigen. Der Verbreitung der Vanille sind nun keine Grenzen mehr gesetzt; das Gewürz tritt seinen “Siegeszug” in ganz Europa an. Viele Menschen werden jetzt reich durch die Vanille; Edmond jedoch stirbt in Armut.
„In schillernder, humorvoller Sprache zeichnet die Autorin aus La Réunion das Leben des Edmond Albius nach und lenkt dabei den Blick auf die Geschichte ihrer Heimat. Die war geprägt von Rassismus und der Unterdrückung Schwarzer Menschen, deren Talente und Erfolge systematisch aberkannt wurden.“ (Auszug aus dem Klappentext)
Die 1984 geborene Autorin stammt selbst von der Insel La Réunion; sie ist außerdem Lehrerin und Journalistin.
Gudrun Honke, die selbst lange in afrikanischen Ländern gelebt hat, hat die Romanbiographie genial übersetzt. Eine ganz besondere Leseempfehlung!
Das Buch ist im Bestand der Stadtbibliothek vorhanden, jedoch (noch) nicht in der Onleihe.
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Julia Schröder schreibt im SWR: Die Autorin „zitiert aus zeitgenössischen Briefen und Berichten und ergänzt die Lücken in diesen Dokumenten eines Zeitalters, das von versklavten Menschen in der Regel wenig Notiz nahm, mit überzeugender Fabulierfreude“.
Die Übersetzerin Gudrun Honke stellt das Buch auf YouTube vor.
