Susanne Tägder – Die Farbe des Schattens

Der Krimi spielt im Winter 1992 in einer Plattenbausiedlung in Mecklenburg während der Nachwendezeit. Wer hier lebt, hat den Job verloren, die Stimmung der Bewohner ist von Alkohol und Gewalt geprägt, den Jugendlichen fehlen die Perspektiven. Diese geraten schnell in falsche Kreise, die an Glatzen und Springerstiefeln zu erkennen sind. 

Der elfjährige Matti kommt vom Einkaufen nicht zurück. Die Polizei startet eine großangelegte Suchaktion; später wird die Leiche des Kindes in einem Keller gefunden.

Der zuständige Kommissar Arno Groth, der bei den Ermittlungen auf eine „Mauer des Schweigens“ trifft, gründet die Einsatzgruppe „Nachtschatten“; nach und nach weist die Spur auf einen Serienmörder hin. 

Arno Groth selbst ist jemand, der selbst an den Schatten seiner eigenen Vergangenheit leidet, ebenso wie die alleinerziehende Taxifahrerin Ina, die mit ihrem Sohn in der Wohnsiedlung „untergetaucht“ ist.

Der Autorin gelingt es meisterhaft, die Atmosphäre in der Nachwendezeit darzustellen. Sie schreibt in ruhiger Erzählweise und lässt den Kommissar akribisch ermitteln. Der Täter bleibt eher eine Nebenfigur; es geht der Autorin um die betroffenen Familien und das Leid der Opfer. Die geschilderten Verbrechen sind in den Jahren 1983, 1984 und 1994 tatsächlich geschehen, wurden jedoch so verändert, dass eine ganz neue Geschichte daraus entstanden ist. Susanne Tägder erhielt dafür den deutschen Krimi-Preis 2025.

Ich lese nicht so häufig Krimis – dieser hat mich sehr beeindruckt, u.a. auch, weil die Autorin atmosphärisch dicht erzählt.

Das Buch ist nicht im Bestand der Stadtbibliothek vorhanden, jedoch über die Onleihe zu beziehen.

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Silke Arning rezensiert das Buch im SWR:

“Grandios wie Susanne Tägder vor dem Hintergrund einer erstarrten Winterlandschaft die festgefahrene Situation, Ohnmacht und Verzweiflung beschreibt.” 

Annemarie Stoltenberg schreibt im NDR Kultur:

“Nichts beschönigen und Wahrhaftigkeit unwiderstehlich packend darstellen – das ist die große Gabe von Susanne Tägder. Man hat es hier mit echt wirkenden Menschen zu tun – keinen Überhelden.”