Zwischen Bieterfieber und Bücherliebe

Von Sarah Essing, Weser-Kurier, Ausgabe Montag, 3. August 2026.

Förderverein der Stadtbibliothek feiert 20. Geburtstag mit launiger Feier

Syke. „105 Euro zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten! Verkauft für 105 Euro!“ Mit einem kräftigen Hammerschlag beendete Katharina Wittneben das erste Bieterduell des Abends und womöglich das erste Bieterduell in der Syker Stadtbibliothek überhaupt. Die zahlreich erschienenen Geburtstagsgäste spendeten den beiden Interessenten, die sich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten, begeisterten Beifall.Und das erste Gemälde der ersten Kunstauktion des Fördervereins der Stadtbibliothek Syke wechselte den Besitzer.

Mit Schwung brachten Kerstin Nowak (von links), Ulrich Hoferichter und Katharina Wittneben in der Stadtbibliothek die gespendeten Bilder an die Meistbietenden. FOTOS SARAH ESSING

Zu seinem 20. Geburtstag hatte der Förderverein zu dieser Aktion in die Bibliothek geladen. Die Bilder dafür hatte die Syker Künstlerin Silvia Lauer-Schulz dem Verein gespendet. „Wir dachten uns, wir probieren mal etwas Neues“, sagte die zweite Vorsitzende Kerstin Nowak zu der Idee. Schon der Auftakt zeigte: Das kam an. „Das hat Spaß gemacht!“, lautete so auch einhellig die Meinung zweier Gäste beim Verlassen der Bibliothek.

Dabei lebte die Auktion nicht nur von den Bildern, sondern vor allem von den Menschen, die sich von der Aktion begeistern ließen. Mal herrschte gespannte Stille, wenn Katharina Wittneben mit fragendem Blick in die Reihen schaute. Dann wieder schnellten mehrere Arme gleichzeitig in die Höhe.

Dazu trug vor allem die Auktionatorin selbst bei. Mit Elan, Enthusiasmus und einer gehörigen Portion Humor befeuerte sie den Bieterreigen. Herzliches Lachen und Beifall schallten immer wieder durch den Raum, auch wenn nicht jedes Werk auf Anhieb einen neuen Besitzer fand. Die Auktionatorin lächelte gelassen und fuhr fort. Schon das nächste Kunstwerk entfachte dann wieder Interesse. Für ein abstraktes Acrylbild stieg der Preis langsam, aber stetig bis auf 55 Euro. Und auch die weiteren Bilder mit Titeln wie Sonnenstrahlen oder Schleifen erzielten Preise zwischen 30 und 50 Euro.

Zum Ende der Auktion stieg die Spannung noch einmal. Mehrere Blumenbilder kamen unter den Hammer. Die Gebote überschlugen sich beinahe, bis schließlich 85 Euro erreicht waren. Dann fiel ein letztes Mal der Hammer. Die übrigen der 56 Bilder konnten die Geburtstagsgäste direkt erwerben, und sie machten reichlich Gebrauch davon. Nur für 18 fand sich bis jetzt niemand.

Heidrun Siebeneicker sorgte für die musikalischen Zwischenspiele.

Dennoch ist Ulrich Hoferichter, Vorsitzender des Fördervereins, mehr als zufrieden. Über 700 Euro konnte die Kassiererin des Abends, Christiane Decke, in ihre Kasse legen. Der Erlös kommt wieder der Arbeit des Vereins zugute. Wie diese seit nunmehr zwei Jahrzehnten gestaltet wird, erfuhren die Besucher eingangs in einem kleinen Rückblick von Jochen Heins, heute Kassierer des Vereins, vor 20 Jahren der erste Vorsitzende.

Von Flohmärkten bis Autorenlesungen

Launig erinnerte er an die Anfänge des Fördervereins der Stadtbibliothek Syke. Damals seien die Mittel bescheiden gewesen. Der Kassenbericht zum Jahresende 2006 habe einen Bestand von gerade einmal 577 Euro ausgewiesen – finanziert durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Dennoch sei der Optimismus groß gewesen.

Flyer wurden entworfen, ein Logo entwickelt – ein aufgeschlagenes Buch mit dem Leitspruch „Wer liest, gewinnt immer“ –, und Straßenschilder machten auf die Bibliothek aufmerksam. Ein eingerichteter Bücherflohmarkt, „ganz einfach“ mit einer Platte auf drei Holzböcken und einem Wagen der Buchhandlung Schüttert, war anfangs das größte Kapital, erinnert Heins. „Wenn wir einen Erlös hatten von hundert Euro etwa, waren wir ganz stolz.“

Das Bücherfrühstück brachte ältere Menschen zusammen. Das Lesecafé schuf und schafft bis heute Begegnungen weit über das Lesen hinaus. Besonders am Herzen lag dem Verein jedoch von Beginn an die Förderung junger Leserinnen und Leser. Lesepaten unterstützten Grundschulkinder beim Lesenlernen, Autorenlesungen ermöglichten persönliche Begegnungen mit Schriftstellern. „Die Schülerinnen und Schüler verloren dadurch ihre Scheu vor der Bibliothek“, erinnerte sich der ehemalige Vorsitzende. Mit jedem Jahr wuchsen die Mitgliederzahlen ebenso wie der Kassenbestand. 2018 übergab er den Vorsitz an Ulrich Hoferichter, der die erfolgreiche Arbeit fortführt.

Auch heute ist der Verein aus dem kulturellen Leben der Stadt kaum wegzudenken. Monatliche Bilderbuchkinos, Lesepaten, Autorenlesungen, Lesefrühstücke, das Lesecafé, Schreibwettbewerbe und internationale Leseabende gehören längst zum festen Programm. Krimidinner und gemeinsame Lesetreffen erfreuen sich großer Beliebtheit. Über die neu gestaltete Homepage geben Mitglieder persönliche Buchempfehlungen weiter.

„Seit 20 Jahren besteht eine enge Verbindung zwischen dem Förderverein der Stadtbibliothek Syke und seinen Mitgliedern“, heißt es in der Jubiläumsbilanz. Gerade weil sich das Leseverhalten verändert habe und Bücher heute seltener gekauft würden, bleibe die Aufgabe des Vereins wichtiger denn je. Die Zusammenarbeit mit Bibliothek, Politik und Verwaltung funktioniere hervorragend.

Christiane Decke hatte gut lachen. Rund 700 Euro kamen allein bei der Auktion für den Verein zusammen.

Das konnte Sykes Bürgermeisterin Suse Laue in ihrem Grußwort nur bestätigen. „Der Förderverein ist eine Bereicherung“, sagte sie und dankte herzlich für das Engagement. Er und seine Mitglieder tragen dazu bei, dass die Bibliothek schon längst ein sogenannter „dritter Ort“ sei, an dem man sich gerne aufhalte. Das soll sich durch den Umzug an die Hauptstraße in ein umgebautes Wessels Hotel noch verstärken. Die für den Umbau erforderlichen Ausschreibungen gehen in Kürze raus, konnte sie auf Nachfrage noch mitteilen.