Douglas Preston – Die Stadt des Affengottes

Douglas Preston ist als Bestellerautor für Actionromane und -thriller bekannt. Daneben hat er ein paar wenige Sachbücher geschrieben. „Die Stadt des Affengottes“ ist so eines. Es erschien 2017 und handelt von der Entdeckung einer versunkenen Stadt im Dschungel von Honduras. Ich habe das Buch in gerade einmal 24 Stunden durchgelesen, da es gleichzeitig spannend, interessant und abwechslungsreich ist.

Im Westen Mittelamerikas lebte die bekannte Maya-Zivilisation, hauptsächlich auf der Halbinsel Yucatan. Südöstlich ist das heutige Honduras. Und dort, im Osten von Hunduras, gibt es heutzutage noch so dichte Dschungel, dass dieses Gebiet Anfang der 2000er Jahre immer noch wenig erforscht war.

Dort gab es immer schon Legenden, dass es im Dschungel eine weiße Stadt geben sollte. In den vergangenen Jahrhunderten haben immer wieder Forscher und Abenteurer versucht, diesen Ort zu finden. Im ersten der vier Teile des Buches werden die verschiedenen geschichtlichen Quellen vorgestellt und die haarsträubenden Geschichten dieser Glücksjäger beschrieben. Man erfährt auch ein wenig über die Geschichte Honduras’.

2012 gelingt es einem Team von Forschern, durch die damals neuartige LIDAR-Technologie Luftbildaufnahmen zu machen. LIDAR steht für Light imaging, detection and ranging. Mit einem LIDAR-Gerät im Flugzeug wird ein Untersuchungsgebiet überflogen.

Eine LIDAR-Auswertung.

Ein Laser tastet den Boden unter dem Flugzeug ab. Ähnlich wie beim Echolot kann man aus der Zeit, die der Lichtstrahl zurückreflektiert wird errechnen, wie weit der Punkt vom Flugzeug entfernt ist, auf den der Laser getroffen ist. Viele Laserstrahlen treffen natürlich auf Blätter, aber einige dringen bis zum Waldboden durch. Wenn man alle Punkte herausrechnet, die auf Pflanzen treffen, ergibt sich ein Bodenprofil. Dort kann man schnell erkennen, ob es sich um natürlichen Boden oder von Menschenhand geformte Strukturen handelt.

Natürlich ist so eine Untersuchung teuer und aufwändig, daher war die Auswahl der Überfluggebiete sehr wichtig. Preston beschreibt in diesem zweiten Teil des Buches, wie geeignete Orte aus den geschichtlichen Beschreibungen ausgewählt wurden, und konnte auch bei einem anstrengenden und nicht ungefährlichen Flug dabei sein.

Schnell wird klar, mindestens einer der Orte lohnt es, erforscht zu werden. Der dritte Teil des Buches handelt von dem Team von Wissenschaftlern und Ex-Militärs, die sich auf den Weg in den undurchdringlichen Dschungel machen. Dort gibt es keinerlei Zivilisation, und es lauern Gefahren in Form von überaus giftigen Schlangen, Spinnen, Insekten und in der weiteren Umgebung auch bewaffnete Drogenschmuggler. Dem Team gelingt es durch einen Zufall, die Genehmigung für die Suche vom honduranischen Präsidenten einzuholen, der auch eine Gruppe von Soldaten mitentsendet. Das Zielgebiet wird per Helikopter angeflogen. Nachdem ein Lager eingerichtet wird, gehen die Forscher ans Werk, und finden tatsächlich Reste einer im Dschungel versunkenen Stadt. Preston ist dabei und beschreibt das Leben im Lager und die Entdeckungen in einem Artikel für den National Geographic. Nach nur zehn Tagen werden die meisten Forscher bereits wieder ausgeflogen. Die Erkundung war ein voller Erfolg. Einige Fundstücke konnten geborgen werden, aber vieles wartet noch auf weitere Untersuchungen.

In der weißen Stadt lebten von ca. 600 Jahren Menschen. Warum wurde die Stadt aufgegeben? Die Theorie der Wissenschaft ist, dass sich mit dem Einzug der Europäer Krankheiten so schnell verbreitet haben, dass die Bevölkerung um 90% zurückgegangen ist. Selbst die schlimmsten Epidemien des Mittelalters hatten nicht diese hohen Todesraten. A propos Krankheiten: Viele aus dem Team der Forscher, so auch der Autor selbst, mussten ein halbes Jahr nach der Expedition feststellen, dass die Sandmücken, von denen sie gebissen wurden (trotz Insektenschutzmittel), eine gefährliche Variante der Leishmaniose übertragen haben. Dabei handelt es sich um Parasiten, die das Immunsystem dazu bringen, den eigenen Körper anzugreifen. Preston hat Glück im Unglück, er übersteht die Behandlung, aber wie die anderen Teilnehmer auch wird er die Krankheit weiterhin in sich tragen. Und so endet das Buch im vierten Teil durch die Besprechung der verschiedenen Krankheiten, die einst die Menschen der alten Zivilisationen geplagt haben, und die mit der Erforschung wieder in die moderne Zivilisation getragen werden. Leishmaniose ist auf dem Vormarsch und wird sich mit der Erderwärmung weiter ausbreiten.

Mich hat das Buch gefesselt und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch Sachbücher können spannend sein.