Französischer Abend in der Stadtbibliothek Syke

Der Deutsch-Französische Freundeskreis Syke und der Förderverein der Stadtbibliothek luden am 29. Oktober zum „französischen Abend“, und etwa 50 Gäste folgten der Einladung. Zu sehen und hören gab es einen Vortrag von Klaus Kirmis über die Provence.

Begrüßung

Die Provence ist eine Region im Süden Frankreichs, die kulturell sehr bedeutend ist. Herr Kirmis führte in das Thema ein, indem er die Provence zunächst geographisch verortete: Im Südosten Frankreichs, zwischen der Cote d’Azur und dem Languedoc. Es folgte ein Rundgang durch die Landschaften mit ihren jeweils typischen Farben. Der Ocker-Felsen bei Roussillon oder die Lavendelfelder der Höhenlagen. Ventoux, die Hochebenen von Vaucluse, der Luberon, die Alpilles, die Camargue, alles mit Bildern und zum Teil Musik untermalt, waren gut geeignet, die Reiselust der Zuschauer anzuregen. Ein kurzer Spaziergang über die Märkte der Region und Hinweise auf zahlreiche bekannte provencalische Gerichte regten dann auch noch den Appetit an.

Wo liegt die Provence?

A propos Essen: In der Vortragspause wurden französische Leckereien gereicht: Rillettes, Baguette, Weintrauben und Käse, dazu gab es französischen Wein und andere Getränke – wunderbar!

Im geschichtlichen Teil des Vortrags zeigte Herr Kirmis die Höhlenmalereien in der Höhle von Chauvet. Diese belegen, dass bereits vor 20.000 Jahren Menschen in der Provence gelebt haben. Die Forschung hat gezeigt, dass die Darstellungen von ausgebildeten Künstlern ausgeführt wurden. Aus der Keltenzeit finden sich überall im Land kleine Bauwerke aus aufgeschichteten Steinen. Um etwa 600 v. Chr. besiedelten die Griechen die Küstenregion der Provence, gefolgt von den Römern ab 200 v. Chr. Aus dieser Zeit sind noch viele beeindruckende und gut erhaltene Bauwerke zu sehen: Das Amphitheater von Nimes und das Maison Carrée, das Amphitheater in Arles, die Pont du Gard, das Theater von Orange, die antike Römerstadt Glanum und vieles mehr. Später, ab ca. 400 n. Chr., folgte die Romanik. Als Beispiel für die Baukunst aus der Zeit gilt die Kirche St-Trophime mit Kreuzgang in Arles. Die nächste Station war die Zeit der Troubadoure im 12. und 13. Jahrhundert, die ihre Lieder in provencalischer Sprache vortrugen. Es folgte ein kurzer Überblick über die Zeit des Zisterzienser-Ordens, mit der berühmten Abtei Notre-Dame de Sénanque vor der Lavendelfelder ein wunderbares Bild bieten. Zeitgleich war Avignon die Stadt der Päpste und Gegenpäpste, das der italienische Dichter Francesco Petrarca als „neues Babylon“ bezeichnete. Immerhin ist der beeindruckende Papstpalast aus dieser Zeit erhalten.

Klaus Kirmis

Der nächste Teil des Vortrags war den Künstlern der klassischen Moderne gewidmet: Vincent van Gogh ging 1888 nach Frankreich, blieb in Arles hängen und suchte dort nach „dem Licht“ für seine Bilder. In einem besonderen Stadtplan sind die Stellen markiert (bitte Link nutzen), an denen er die heute sehr bekannten Bilder gemalt hat. In Aix en Provence wurde Paul Cézanne 1839 geboren, der erst sehr spät durch Picasso und Matisse zu mehr Berühmtheit kam. Während der NS-Zeit waren Künstler in der Provence bedroht: Künstler, die als „entartet“ galten, mussten auswandern oder wurden deportiert.

In den 50er Jahren war die Provence arm, und zahlreiche Künstler zog es in die günstige Region, besonders um Gordes. Durch Albert Camus und Simone de Beauvoir erlangte die Provence noch mehr Ansehen. Der aktuelle Tourismus aber geht zurück auf das Buch „mein Jahr in der Provence“ von Peter Mayle. Von ihm ist bekannt, dass er zeitweise vor dem Besucheransturm, den er selbst mitausgelöst hat, „geflohen“ ist.

Insgesamt war der Vortrag voll mit Eindrücken, guten Erklärungen und vielen Details. Man merkte, dass Klaus Kirmis sich sehr gut in der Region und deren Kunstgeschichte auskennt. Das gute Essen und der Wein haben den Abend perfekt abgerundet. Eine wirklich gelungene Zusammenarbeit der beiden Vereine!