Abbas Khider – Der letzte Sommer der Tauben

Als der sogenannte „Islamische Staat“ 2014 im Irak die Macht übernimmt, lebt der 14jährige Noah in einem kleinen Dorf und züchtet Tauben. Er sitzt oft auf dem Dach und beobachtet seine Vögel, die sein ganzer Stolz sind. Die Tauben sind ein Symbol für Frieden und Freiheit.  

Dann muss Noah seinem Vater in dessen Bekleidungsgeschäft helfen, auf Verpackungen sichtbare, nackte Haut von Frauen mit schwarzer Farbe zu übermalen. Freizügige Kleidung ist ab sofort verboten. Frauen müssen sich verhüllen; sie dürfen nicht mehr ohne männliche Begleitung auf die Straße gehen. 

Menschen werden öffentlich gedemütigt oder aufgrund kleinster „Vergehen“ getötet. Ein Freund verschwindet in einem militärischen Ferienlager, Noahs älterer Bruder hat sich  einer Terrormiliz angeschlossen. Irgendwann ist auch Noahs geliebter Onkel Ali bedroht und muss fliehen. Nur sein Taubenschlag gibt Noah Trost – dies wird der letzte Sommer sein, in dem die Tauben noch frei fliegen dürfen, denn die Machthaber haben Angst, dass die Tauben geheime Botschaften übermitteln könnten.

Abbas Khider schreibt über das Leben im Kalifat, über Diktatur und Gewalt. Das Buch knüpft an viele frühere Romane des Autors an, die von Haft, Folter und Flucht erzählen. Abbas Khider selbst wurde im Irak inhaftiert und gefoltert; er musste fliehen und lebt inzwischen in Berlin. Um Abstand zu seiner eigenen Geschichte zu haben, schreibt er in deutscher Sprache.

Das Buch ist im Bestand der Stadtbibliothek vorhanden und auch in der Onleihe ausleihbar.

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Im NDR (bitte anklicken) rezensiert Katrin Krämer: In “Der letzte Sommer der Tauben” wird die sich nach und nach ausbreitende bedrückende Atmosphäre spürbar. Und die zum Teil kurzen Kapitel, aus denen sich der Roman zusammensetzt, wirken wie Gongschläge. Warntöne, die darauf aufmerksam machen, was in einem Land passiert, wenn Willkür herrscht. Und wenn Tauben auf Dächern verboten werden.

Im Deutschlandfunk Kultur (bitte anklicken) schreibt Carsten Hueck : Khider, ein Meister in der Beschreibung humorvoller Situationen, fällt in diesem Roman das poetische Lächeln schwer. Und dennoch ist es da – am Himmel: Liebespaare, Akrobaten und Musiker mit Flügeln.