Helga Schubert – Der heutige Tag

Die 83jährige Autorin erzählt von der Pflege ihres 96jährigen Ehemannes, der an Demenz erkrankt ist und mit dem sie mehr als fünfzig Jahre zusammenlebt. Sie nennt ihn in ihrem Roman “Derden”, das soll für “der, den ich liebe” stehen. Es ist ein gleichzeitig hartes, aber auch liebevolles Buch. Schonungslos schildert Helga Schubert den Alltag: Es geht um herausgerissene Blasenkatheter, viele Tabletten täglich, das Fortschreiten der Demenz und auch um ihre eigene Erschöpfung. Berührend ist die Szene, als ihr Mann ihr im Februar “frohe Weihnachten” wünscht und sie die entsprechende Deko wieder herausholt, um ihm sein Bedürfnis nach Weihnachten feiern zu erfüllen.

Helga Schubert ist stark darin, ihren Alltag und die Gefühle, die hochkommen, zu beschreiben. Trotzdem ist dieses Buch auch eine Art Liebeserklärung, denn die Autorin “freut sich über jede gemeinsam verbrachte Sekunde” (Zitat). Wohl auch, weil sie einen starken Glauben hat, zeigt sie auf, wie wichtig es ist, im Moment zu leben. Ein überaus starkes, beeindruckendes Buch!

Das Buch ist sowohl in der Onleihe als auch in Stadtbibliothek ausleihbar.

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Kerstin Nowak

Im Internet sind zahlreiche Buchbesprechungen zu finden; hier nur ein kleiner Ausschnitt:

Leonore Lösch im NDR Kultur: “Hier schreibt eine, die ihren Mann liebt und pflegt. Und das hat man so noch nie gelesen. Hier erzählt eine vom Ausatmen des Lebens.”

“Am stärksten ist Schuberts Erzählung, wenn sie in den Details bleibt, minutiös ihren Alltag beschreibt und ihre Gefühle dazu aufs Papier legt”, so bespricht Barbara Vorsager den Roman in der Süddeutschen Zeitung.

Im WDR 2 empfiehlt der Literaturkritiker Denis Scheck in einem Hörbeitrag den Roman: “Es ist ein ganz leichtes Buch, ein Buch, aus dem man neuen Lebensmut schöpfen kann.

Helga Schubert erzählt im MDR Kultur in einem Gespräch mit Katrin Schumacher über ihren Roman und liest aus ihm vor.