
Der Debütroman der Autorin spielt in den 1970er Jahren in Kasachstan. Der zehnjährige Krocha ist Russlanddeutscher und gehört damit zu einer Minderheit. Die Deutschen waren im 18. Jahrhundert auf Einladung Katharinas der Großen an die Wolga und an die Schwarzmeerküste gekommen. Unter Stalin wurden sie nach Kasachstan oder Sibirien deportiert. Seitdem verschlechterte sich die Situation der Mennoniten, zu denen auch die Familie Fest zählt, von der im Buch erzählt wird, zusehends.
Krocha, Tante Hedi, Onkel Hein und Mutter Schenja leben mit weiteren Russlanddeutschen im Dorf Michailowka, arbeiten hart und halten sich mit viel Geschick in der Mangelwirtschaft der Sowjetunion über Wasser. Krocha hat den Traum, später Astronaut zu werden, doch schon früh wird ihm in der Schule klargemacht, dass ihm diese Möglichkeit als Faschist nicht offensteht. (Die Russen beschimpfen die Russlanddeutschen als Faschisten). Alle warten insgeheim darauf, irgendwann nach Deutschland ausreisen zu können.
Das Besondere an diesem Roman ist, dass die Autorin manche Dialoge im Buch auf „Plautdietsch“ schreibt, diese Form des Plattdeutschen wird in einigen Mennoniten-Gemeinden weltweit auch heute noch gesprochen. Mir hat das Buch sehr gefallen.
Der Roman war 2026 für den Buchpreis der Leipziger Buchmesse nominiert.
Das Buch ist nicht im Bestand der Stadtbibliothek vorhanden, jedoch über die Onleihe ausleihbar.
________________________________________________________________________________
Jörg Plath rezensiert im Deutschlandfunk (bitte anklicken): “In ihrem Debüt erzählt Elli Unruh, die 1987 in Kasachstan geboren wurde, in Süddeutschland aufwuchs und im Deutschen Literaturarchiv Marbach arbeitet, als ob sie nie etwas anderes getan hätte. “Fische im Trüben” ist voller Konkreta und atmosphärisch dicht. … Ein erstaunliches, ganz und gar ungewöhnliches Buch.”
Annemarie Stoltenberg schreibt im NDR Kultur (bitte anklicken): “So meint man, einen oft zärtlich sanften, gottesfürchtigen Erzählton zu hören in diesem auch handwerklich hervorragend gestalteten Band.”
