Ayelet Gundar-Goshen – Ungebetene Gäste

Naomi ist allein mit ihrem vierzehn Monate alten Sohn Uri und einem arabischen Handwerker, der den Balkon renoviert, in ihrer Wohnung in Tel Aviv. Ihr Mann Juval ist zur Arbeit gefahren, darüber ist sie ungehalten, denn sie bleibt nicht gerne allein mit einem Araber. Als dieser kurz zur Toilette geht, passt Naomi einen Moment lang nicht auf Uri auf – der Hammer, den der Handwerker auf der Balkonbrüstung abgelegt hatte, ist herabgestürzt und hat einen Passanten erschlagen. Naomi weiß sofort, was passiert ist: Uri ist auf die Brüstung geklettert, dabei ist der Hammer vom Balkon gefallen.

Es kommt ihr trotzdem gelegen, dass die panischen Menschen auf der Straße sofort den arabischen Handwerker zum Schuldigen erklären. Dieser wird kurz darauf verhaftet. Naomi schweigt, sogar vor ihrem Ehemann. Dann taucht der Sohn des Handwerkers plötzlich in der Wohnung auf und sucht seinen Vater. Juval jagt den Jungen weg, der unten auf der Straße von Nachbarn erwartet und verprügelt wird.

Als Lesende(r) lernt man außer der Familie von Naomi die Familie des getöteten Straßenpassanten kennen, ebenso auch die Familie des vermeintlichen Täters. Themen des Buches sind u. a. Vorurteile, kopflose Gewalt, blinde Rache, Lügen, die Naomi und Juval sogar in Nigeria einholen. Die Autorin arbeitet mit immer neuen Aspekten an der Geschichte und gibt ihren Figuren, wie schon in ihrem vorangegangenen Buch „Wo der Wolf lauert“ eine besondere Tiefe.

Eine ganz klare Leseempfehlung!

Das Buch ist im Bestand der Stadtbibliothek enthalten, jedoch (noch) nicht in der Onleihe ausleihbar.

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Ayala Goldmann interviewt Ayelet Gundar-Goshen in der Jüdischen Allgemeine (bitte anklicken): „Dieser Roman erzählt von den blinden Flecken der israelischen Gesellschaft. Und wenn man Blindheit thematisieren will, muss man die Dunkelheit beschreiben, nicht das Licht. Ich wollte über all die Dinge sprechen, die wir sonst verbergen.“ (Zitat)

Der Lebenslauf der Autorin und eine Auflistung ihrer Bücher sind bei wikipedia dokumentiert.