
„True Crime für daheim?“ – Unter dieser Überschrift stand der Vortrag des Juristen und Psychologen Dr. Dirk Schmidt-Herholz am Freitag, 13.3.26 in der Stadtbibliothek Syke, eine Veranstaltung des Fördervereins, die gut besucht war. Der Kriminologe hatte sich nach der Berentung und dem Ausscheiden aus dem Polizeidienst entschieden, mit seinen Vorträgen dem breiten Publikum einen versachlichenden Einblick in die Arbeit der Polizei bei Tötungsdelikten zu verschaffen. Nun dürfe er über sein Aufgabenfeld sprechen, natürlich alles in anonymisierter Form.
Man könne den Eindruck haben, dass das Gewaltverbrechen aktuell viel Raum in den Medien eingenommen habe, vielleicht sogar zu viel. Aber, wie auch beim Verbrechen, gelte auch hier, dass die Dosis das Gift mache, da müsse man selbst abwägen. Man solle aber bei dem Genre „True Crime“ nie vergessen, dass wirklich ein Mensch zu Tode gekommen war. Nach dem aktuellen Vortrag werde er sich mit dem komplexen Thema bei noch zwei weiteren Themenabenden befassen. Mit einigen Schlaglichtern auf „True Crime“ wolle er umreißen, aus wie vielen Blickwinkeln man die Fragestellung betrachten könne. Vorab sei angemerkt, dass nur ein Prozent in der Kriminalstatistik Tötungsdelikte ausmachten. Inzwischen sei ein „Dark Tourism“ stark im kommen. Lange schon reicht die Geschichte des Genres zurück, konkret bis zu dem Schriftsteller Truman Capote mit dem Buch „Kaltblütig“. Zu den Motiven der Konsumenten von True Crime könne man unter anderem wohl annehmen, dass der Grusel die Hormonlage hebe. Auch sei es ein Mittel zur Flucht aus der Realität. Für manchen kann es auch eine Auseinandersetzung ermöglichen, wie man sich am Besten vor Verbrechen schützen könne. Man solle bei Darstellungen im Fernsehen kritisch beobachten, ob sie glaubwürdig seien.
Nicht selten werden sie künstlich in eine spannende Form gebracht, um die Einschaltquote zu erhöhen. Historisch sei bereits die Berichterstattung über die Bremer Giftmischerin Gesche Gottfried ein Fall von „True Crime“ gewesen. Wichtig bei Todesfällen mit unklarer Todesursache sei eine professionell gut gemachte Leichenschau. Es sei erschreckend, bei wie vielen Todesfällen Morde übersehen werden. Mit dieser Problematik werde er sich bei seinem nächsten Vortrag intensiv befassen. Gerne gab Dr. Dirk Schmidt-Herholz noch einen Literaturhinweis: Das aktuelle Buch von Christian Hardinghausen mit dem Titel „Die Sucht nach Verbrechen“ sei empfehlenswert.

